August 2012

 

 

1.Rezept

Zutaten:

  • einen Schweizer mit einem Lebenstraum
  • eine Schweizerin
  • eine Deutsche
  • einen Deutschen
  • 30 Jahre Altersspanne der Teilnehmer
  • 2 Jahre Vorbereitungszeit
  • 25 Impfungen
  • ca. 88 Stunden Herumrgern fr die Visas
  • 16 Reisefhrer
  • 13 Kennlern- und Vorbereitungstreffen
  • 347 geschriebene Mails
  • 18 schlaflose Nchte vor der Abreise
  • 7 Koffer
  • 4 Ruckscke
  • 2 Rollsthle
  • 1 Satz Ersatzreifen
  • 1 Wurfzelt
  • 14 Paar Schuhe
  • 48 Unterhosen

und fge alles vorsichtig zusammen

Man nehme auerdem:

  • 4 Tonnen Spa am Reisen
  • 8 Liter Abenteuerlust
  • einen Haufen Geld
  • 4 Teelffel Abschiedsschmerz
  • ein paar Spritzer Angst

und hebe es unter das Gemisch

und fertig ist

der Teig fr unser Amerika-Rolli-WoMo-Abenteuer

 

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2. Sichtwechsel – Eine nervenaufreibende Geschichte

 

Ich bin erst zwei Jahre alt und habe schon die Welt gesehen. Ganz viele Grenzen habe ich berwunden und wurde dort mit schnen Aufklebern und Stempeln geschmckt. Erwartungsvoll bin ich den langen Weg nach Frankfurt gefahren um dort einen weiteren schnen Sticker mit `nem steinernen Mann auf meine zarten Seiten geklebt zu bekommen. Aber daraus wurde erstmal nichts. Im Konsulat der USA wurde ich unsanft durchblttert und auf den Schalter geknallt. Die ersten zwei Menschen, die mich und den ganzen Zettelkram mit den 115 beantworten Fragen begutachteten, waren noch recht nett. Schlielich wurden ja auch alle Fragen wahrheitsgem beantwortet. So zum Beispiel auch die Frage ob meine Besitzerin in die USA kommen mchte um als Prostituierte zu arbeiten oder einer unrechtmigen Beschftigung nachkommen will. Haben Sie jemals Geldwsche betrieben oder haben sie vor es in den USA zu tun?, war eine weitere Frage. Auerdem sollte meine Besitzerin angeben ob sie Ehegatte oder Tochter eines Menschen ist, der Menschenhandel betreibt. Jetzt mal im Ernst: Glaube die dort drben auf der anderen Seite vom groen Teich wirklich, dass zum Beispiel ein Geldwscher angeben wrde: Ja, ich komme in die USA um Schwarzgeld zu waschen. Als Nebenverdient betreibe ich brigens auch Menschen- und Waffenhandel. Bitte geben Sie mir ein Jahresvisum, damit ich gengend Zeit fr alle diese Dinge habe.?

Von meinen drei Freunden habe ich gehrt, dass es nicht so einfach werden wrde, einen von diesen schnen Aufklebern zu bekommen, mit dem ich ein Jahr in den USA bleiben drfe. Einem von Ihnen wrde sogar dieser Sticker verwehrt. Der dritte stocksteife Mann am Schalter, dessen Gesicht so ausdruckslos, wie nach der zehnten Botoxbehandlung aussah, fragte meine Besitzerin unglubig, warum sie denn mit einem behinderten Menschen verreisen wrde, ohne dafr ein anstndigen monetren Lohn zu bekommen. Er brabbelte etwas von Arbeitsvertrag, blubberte dass er meiner Schweizer Freundin nun auch den schnen Aufkleber brutal herausreien will, kritzelte etwas auf ein Formular und schob mich zusammen mit dem nach brokratischer Chlorbeiche stinkendem Papier durch den schalen Schlitz im Panzergas zurck zu meiner Besitzerin. Noch whrend meine Besitzerin zu ihm sprach, stand der Botoxgesichtmann ruckartig auf und stolzierte davon. Ich wusste berhaupt nicht wie mir geschah und ob ich nun berhaupt noch eine Chance auf den ersehnten Sticker haben wrde. Ich hatte Angst. Wrde ich nun berhaupt zusammen mit meinen drei Freunden, die schon so lange geplante Reise antreten knnen? Welche Schmerzen und Qualen standen meiner Schweizer Freundin bevor? Und wie sollte es nun weiter gehen? Ich wartete am Schalter auf die Rckkehr des Mannes mit dem Stock im Arsch. Nach einigen Minuten stolzierte der zurck. Nun wird der mir bestimmt erklren, woran ich war und was die nchten Schritte in meinem unermdlichen Kampf um die Aufkleber sein werden, dachte ich mir hoffnungsvoll. Doch er kehrte nur zurck um mir einen bsen Blick zuzuwerfen und seine Lampe mit der Anzeige, dass der Schalter belegt ist zu lschen, um schlielich den nchsten hilflosen Reisepass an einem anderen Schalter zu rgern. So eine dreiste Unfreundlichkeit habe ich noch nie erlebt. Da konnte ich nur unglubig mit den Seiten schlackern. Nachdem ich mich erneut an der Endlosschlange vor der Information angestellt hatte, versuchte die erstaunlich hilfsbereite Frau die Schrift des Stickerrubers zu entziffern. Ich sollte einen Arbeitsvertrag nachreichen und ohne diesen Vertrag htte ich keine Chance im Stickerkampf. Ich informierte sofort meine Freunde und warnte sie vor dem Aufkleberdieb. Doch der hatte unsere Schweizer Freundin bereits vorgeladen, sie habe innerhalb von zwei Arbeitstagen mit ihrer Besitzerin in Frankfurt anzutanzen und wenn sie nichterschiene, wrde ihr Aufkleber ungltig sein. Die ganze Reise stand auf dem Spiel. Es waren fr mich unertrgliche vier Tage der Ungewissheit. Meine Besitzerin verfasste in der Zwischenzeit einen Arbeitsvertrag. Mit groen Schwierigkeiten gelang es der Besitzer meiner schweizer Freundin sich fr Montag von der Arbeit befreien zulassen und mit meiner Freundin nach Frankfurt zu dsen. Zum Glck waren sie vorgewarnt.

Am fnften Tag kam die Erlsung per E-Mail. Meine schweizer Freundin durfte ihren Aufkleber behalten und meine Besitzerin erhielt eine Mail, dass sie mich in einen dunklen Umschlag packen sollte, der mich nach Frankfurt tragen wrde. Von einem Arbeitsvertrag wollten sie nun nichts mehr wissen. Meine Freundin hat wohl dank ihrer sehr schlauen Besitzerin unsere Aufkleber gerettet und auch unser deutsche Freund bekam nun endlich den schnen Aufkleber auf dem der Mann aus Stein abgebildet war. Warum musste es uns so schwer gemacht werden? Unsere Besitzer wollten doch nur die schnen USA bereisen und durch die vielen Ausgaben, die bei einer solchen Reise notwendig sind, die Wirtschaft der USA ankurbeln. Aber das haben die dort wohl nicht ntig und rgern stattdessen lieber unschuldiger Reisepasse, die nichts weiter als einen bunten Aufkleber mchten.

Hoffentlich erlebe ich noch viele spannende Abenteuer mit meinen Freunden, den Reisepssen von Beatrix, Marcel und Rene und wir mssen nicht nochmal etwas derart nervenaufreibendes erleben wie mit dem USA Konsulat in Frankfurt, bevor wir in einigen Jahren ablaufen.


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3. Auf gehts!
Es ist wirklich kaum zu glauben, aber nun sitzen wir vier tatsachlich mit ausgetrockneten, kalten Nasen (Danke Klimaanlage!) im Flieger von Zrich nach New York. Nachdem wir schon fast den Security-Pre-Check durchlaufen haben, fiel der Dame im schwarz-rotem Kostm auf, dass wir den Flug gar nicht mit dieser Fluggesellschaft gebucht hatten. Also sind wir mit unseren sieben Koffern, dem Ersatzrollstuhl, dem dritten Satz Rollstuhlreifen, dem Wurfzelt und weiteren drei Teilen Handgepck, dann halt zum fr uns richtigen Check-In-Schalter gegangen, der sich im benachbarten Gebude befand. Die verwirrte Frau hinter dem Tresen, verstand es auerordentlich gut Reisende zu verunsichern. Erst hie es wir haben zu viele Koffer und sollten bergepck bezahlen. Nach dem wir etwas auf sie eingeredet haben verschwand sie fr einige Minuten, dann kehrte sie wortlos zurck und tippte mit dem AdlerSuch-System etwas in ihrem Computer. Dann galt ihr Interesse Marcels Rollstuhl mit elektrischer Schiebehilfe. Wieder verschwand sie und kam erneut mit einem Fragezeichen im Gesicht zurck. Die Frau versuchter die Art der Rollstuhlbatterie zu ermitteln. Nach einigen Fragen verschwand sie erneut. Dann wollte sie noch den zweiten Rollstuhl und Zubehr nicht kostenfrei dazu buchen, was laut meiner Erfahrungen weltweit selbstverstndlich ist. Sie tippelte erneut zur ihren Kollegen. Diesmal hatte sie wohl einen Geistesblitz im Schneckentempo ereilte, denn als sie zurck kehrte, war alles kein Problem mehr. Warum nicht gleich so? Nachdem wir nun etwa 20 Minuten den Gepck-Schalter der netten Damen mit dem Dauerfragezeichen im Gesicht blockiert hatten, konnten wir endlich die lange Reise von Securitycheck zum Gate E19 im Terminal 2 antreten. Unser Guide war ein freundlicher Mann, der speziell fr die Untersttzung von Menschen mit Handicap am Flughafen zustndig war. Er fhrte uns ber lange Gnge, vorbei an Duty-Free-Shops mit Tobleroneverkostung, in viele Aufzge und auch in einen Zug, in dem man sogar die Glocken und das Muhen schweizer Khe hren konnte. Als wir endlich am Gate ankamen mussten wir sofort ins Flugzeug. Menschen mit Handicap durften zu erst einsteigen und verlassen dafr das Flugzeug zum Schuss. Marcel wurde mit Hilfe eines schmalen Wagens und zwei starken Mnnern zu seinem Platz gebracht.

Und nun fliegen wir tatschlich unserem Traum mit Tomatensaft, Flugzeugfra und gequetschten Knien entgegen.

 

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Unser
Supertolles
A
benteuer

 

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Tja, nun sind wir schon ber zehn Tage in den USA und haben noch keine einzige Nacht im Wohnmobil verbracht. Es gibt einfach noch so viel zu bedenken, zu erledigen und zu organisieren, bevor wir wirklich aufbrechen knnen. Als wir in New Jersey bei Marcels Onkel Kurt, seiner Tante Helen und seinem Cousin Mario ankamen, war das Wohnmobil noch in einer Werkstatt. Wir konnten es kaum abwarten, unser fahrendes Heim fr das kommende Jahr endlich zu sehen. Am nchsten Abend war es dann soweit. Ren, Marcel und Kurt holten das gute Stck aus der Werkstatt ab und prsentierten uns das riesige Gefhrt. Trotz strmendem Regen konnten wir, aufgeregt wie kleine Kinder am Heiligabend, nicht abwarten es zu begutachten. Im ersten Moment wirkte es riesig fr ein Auto, aber wenn man bedenkt, dass diese Einzimmerwohnung das Zuhause fr vier Personen sein sollte, wird einem die Anpassungsleistung, die wir nun alle erbringen mssen, bewusst. Schnell wurde uns klar, dass das gerade frisch umgebaute Bett nicht sehr gut fr die Pflege von Marcel geeignet war. Wir schmiedeten verschiedene Plne. Es gab keine andere Mglichkeit, die groe Duschkabine musste weichen und auerdem eine Wand verkrzt werden. Zum Glck gibt es da Kurt (ohne Helm und ohne Gurt einfach Kurt), Marcels toller Onkel, der diese ganzen Umbauten wunderschn gemeistert hat. Marcel wird nun mit dem Kopf in der frheren Dusche schlafen, so haben wir genug Platz fr die Pflege. Nun kann Marcel jeden Abend frei nach Farin Urlaub (von den rzten) singen: Ich schlafe in der Dusche, weil die Dusche zu mir hlt Nun haben wir auch ein richtiges elektrisches Hospitalbett in der Dusche, was die Pflege sehr erleichtert und unsere Rcken schont. Die Zeit, in der wir auf das Bett warteten und Kurt handwerkelte konnten wir gut nutzen. Wir berarbeiteten unsere Reiseplanung, gingen mehrmals einkaufen, regelten alle Bankangelegenheiten in den USA, buchten die Verschiffung des Wohnmobiles und eine Kreuzfahrt, die wir in der Zeit, in der das Wohnmobil verschifft wird, machen mchten.

Auerdem haben wir zwei Tagesausflge nach New York gemacht. Einmal sind wir direkt nach Manhattan gefahren. Es war einfach unglaublich, diese Huserschluchten zu sehen. Ich kam wir ganz winzig klein vor, wie eine Ameise in einem Wald von riesigen Grashalmen und gigantischen Blumen. Um Ground Zero (eine Gedenksttte an der Stelle wo einmal die Zwillingstrme des World-Trade-Centers standen) zu besichtigen, mussten wir uns erst die unentgeltlichen Eintrittskarten abholen. Unsere Eintrittszeit war allerdings erst um 18:30 Uhr. Da es erst kurz nach 16 Uhr war und wir noch kein Mittag gegessen hatten, kauften wir Pizza, die wir auf dem Friedhof der St. Pauls Kapelle verspeisen wollten. Ich muss schon zugeben, dass dies ein eher ungewhnlicher Ort fr ein Picknick ist. Da sich die Pizzeria im ersten Stock ohne Fahrstuhl befand und wir einen Brenhunger hatten, erschien uns dieser Friedhof als das nchstbeste Pltzchen fr unseren Lunch. Wir hatten gerade ein paar Bissen genommen und schon wurden wir vom Friedhof geschmissen, da er um 17 Uhr schliet. Ich denke, es ist ein positives Zeichen von einem Friedhof zu fliegen. Wenn uns der Security als einzige auf dem Friedhof sitzen gelassen htte, dann htten wir uns glaub ich ernsthaft Gedanken machen mssen. Also haben wir die Pizza wieder eingepackt und uns auf groe Blumenkbel an der nchsten Huserecke gesetzt und die leckere Pizza verspeist. Um Ground-Zero zu betreten, mussten wir mal wieder, wie so oft in den USA, einen Security-Check ber uns ergehen lassen. Das bedeutet, alle Taschen, Jacken, Grtel usw. in eine Box legen und durchleuchten lassen und anschlieend durch einen Metalldetektor gehen, der jedes Mal, oh groes Wunder, bei dem Rollstuhl wie wild zu piepsen beginnt. An der Stelle, wo vor dem Anschlag vom 11. September 2001 noch die Twin-Towers standen, markieren nun zwei Wasserflle, die kaskadenartig die Formen der verlorenen Trme nachstellen. Am Rand der Flle sind die Namen der vielen Opfer eingraviert. Das war schon sehr ergreifend. Anschlieend sind wir noch etwas durch die City geschlendert und mit dem Bus zum Broadway gefahren. Besonders bei Nacht erstrahlen die buntflackenden Werbeleinwnde, die fast jeden Wolkenkratzer hier schmcken, in vollem Glanz. Wir hatten sehr viel Spa und lachten unglaublich viel. Besonders eine Anekdote, die sich ein paar Tage zuvor ereignet hatte, trieb uns immer wieder Lachtrnen in die Augen. An einem unserer ersten Abende bei Kurt und Helen hatten wir gegrillt und Kurt hatte das Wort Rolli als Abkrzung fr Rollstuhl verwendet. Helen entgegnete emprt: Aber Kurt, er heit doch nicht Rolli, das ist doch Ren! Wir fhrten uns immer wieder diese Situation vor Augen und hinzu kam noch die Mdigkeit, die diese gewaltige Stadt und der schon fortgeschrittene Abend ber uns brachten. Dieses Gemisch von Gemtszustnden entfachte die Albernheiten in uns und wir kicherten fast den ganzen Abend.

Als wir einige Tage spter erneut in die City fuhren, nahmen wir die Fhre nach Ellis-Island, wo frher alle Auswanderer aus Europa nach Wochen auf See eintrafen. Heute ist dort ein Museum zu bewundern, das wir allerdings aus Zeitgrnden auslieen. Von Ellis- ging es mit dem Boot nach Liberty-Island. Auf Liberty-Island, der Heimat von Lady Liberty, verlieen wir den Kahn und bestaunten die imposante Freiheitsstatur von New York. Nachdem wir sie umrundet hatten, nahmen wir ein weiteres Schiff Richtung Battery Park. Eigentlich wollten wir noch zum Central Park, aber das heben wir uns fr nchstes Jahr auf. Das letzte Boot zurck zum Parkplatz, wo das Wohnmobil stand, haben wir ganz knapp verpasst. Deshalb fhren wir mit der Path (der New Yorker U-Bahn) und einem weiteren Zug zurck zum Parkplatz. Mde und voll von vielen atemberaubenden Eindrcken kehrten wir wieder zurck zu Helen und Kurt. Es ist schon toll die Stadt, in der so viele Filme gedreht werden nun live gesehen zu haben. Auch wir haben den groen Apfel (Big Apple) probiert und er hat uns allen sehr gut geschmeckt.

Nun sind wir schon viel, viel lnger als erwartet bei Kurt und Helen und haben mittlerweile das halbe Haus mit unserem ganzen Krempel in Beschlag genommen. Die Beiden knnen es bestimmt kaum abwarten, dass wir uns bald mit unseren ganzen Kram auf den Weg machen. Wir machen schon immer Witze darber welchen Raum des Hauses wir wohl als nchstes zumllen. Solange ihr nicht auch noch unser Schlafzimmer in Beschlag nehmt, ist alles in Ordnung, erwiderte Kurt einmal unserem Lachen. Es ist wirklich unglaublich wie wir hier aufgenommen wurden und was Kurt und Helen und auch ihr Sohn Mario alles fr uns getan haben. Sie haben uns den Start unseres Abenteuers enorm erleichtert und verst. Sogar die echte Schweizer Kuhglocke durfte nicht fehlen, die Kurt an einem kleinen Tisch vor Marcels Bett befestigt hat, damit er nachts klingeln kann, falls er etwas braucht.

Unser Team ist mittlerweile richtig zusammen gewachsen, wir ergnzen uns sehr gut. Jeder hat andere Talente und bringt uns in einem anderen Bereich voran. Es ist einfach toll, dass Marcel solch eine super Truppe zusammengestellt hat, die auch gut zusammen lachen kann. Unter anderem bringt uns die Strichliste immer wieder zum Schmunzeln, auf der wir verschiedene Dinge, die sich im Laufe der Reise ereignen festhalten werden. Beispielsweise werden verbrauchte Klopapierrollen, berfahrene Tiere, mit dem Rollstuhl angerempelte Personen und Schimpfwrter gezhlt. Auerdem sind wir schon ganz gespannt, wer wohl in einem Jahr unsere Mckenstichknigin oder unser Mckenstichknig wird.

Ihr merkt, wir haben viel Spa und es liegt eine tolle Zeit vor uns. Wir freuen uns sehr, wenn ihr uns auf unserer Reise durch Amerika in diesem Blog ein Stck begleitet. Vielen Dank fr die vielen tollen Kommentare, wir haben uns sehr ber den groen Zuspruch gefreut. Es wird uns allerdings nicht immer mglich sein, sofort die neusten Berichte und Fotos hochzuladen. Das Aufarbeiten der Fotos und Texte erfordert enorm viel Zeit, die eben nicht immer zur Verfgung steht. Ich mchte mich jetzt schon mal dafr entschuldigen, dass ich keine Liveberichterstattung leisten kann.

 

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2. Bonita

Besonders die Geschichte, die sich um die Buchung der Kreuzfahrt rankt, mchte ich euch erzhlen. Es handelt sich hierbei um das Mrchen der nicht all zu schnen Bonita:
Es war einmal Mitte August 2012 in einem Reisebro in New Jersey. Tag ein, Tag aus sa die schwer kurzsichtige Bonita an ihrem Schreibtisch und blickte durch den Rahmen von schwarzem Ebenholz zum Fenster hinaus. Sie beobachtete die Vgel, die durch die Glasbausteine vor ihren Augen, wie bunte verschwommene Punkte aussehen mussten, die wild durcheinander tanzen. Es kamen immer mehr farbigen Flecken hinzu. Als Bonita weithin die bunte Punktdisco beobachtet, geschah etwas Unvorhergesehenes, das Telefon klingelte. Bonita zuckte zusammen. Sie nahm den Hrer ab und fhrte ihn zu ihrem mit einer weien Muschelperle behangenen Ohr. Am anderen Ende der Leitung befand sich niemand geringeres als die Grfin Helen vom Hofe Stalder, bei der ihr Neffe Knig Marcel derzeit residierte. Sie quasselte aufgeregt drauf los und bat um Informationen fr Karibikkreuzfahrten von Florida nach Panama. Bontia leierte einige generelle Informationen herunter, versprach aber etwas vorzubereiten, henkte auf und beobachtete weiterhin die Punktcoreographie im Sequoiabaum vor ihrem Fenster. Nachdem Bontia auf diese Art und Weise viele Stunden in ihrem Turmgemach von Bro zugetan hatte, klopfte es pltzlich an ihre Tr, ihre Kollegin berichtete, dass Kundschaft fr sie da wre. Immer noch erstaunt ber diese Tatsache, dass wirklich noch jemand nach dem Schlamassel mit Rumpelstilzchen eine Reise bei ihr buchen wollte, schritt Bonita, die kleine ltere Dame mit ergrautem Haar die Treppe hinab, um die Kundschaft zu empfangen. Es war tatschlich jemand gekommen, um die holde Bonita um Rat zu fragen. Und zwar traten ein: Der Knig und Immobiliengrobesitzer Marcel, Knigin Beatrix, der treue Diener Rolli und Jenny, die Hofnrrin. Sie waren gemeinsam mit der Grfin Helena angereist. Erstaunt ber das Eintreffen dieser Gesellschaft, schob Bonita ein paar Sthle zurecht und bat den weitgereisten Gsten einen Platz an. Knig Marcel war sogar mit seinem eigenen Thron angereist. Bonita tippelte erneut die Stufen zu ihrem Gemach hinauf um dort nach Katalogen zu suchen. Nach einiger Zeit fand sie die mit vielen bunten Bildern verzierten Wlzer unter einer dicken Staubschicht begraben in einer Nische des Gemaches am steinernen Boden. Sie befreite die magischen Bcher, die schon viele Menschenwesen verrckt gemacht hatten von Staub und Spinnenweben und tippelte die steinernen Stufen hinab zu ihren hohen Gsten. Sie nahm auf dem letzten freien Stuhl im Kreise Platz, sah verzweifelt in die Runde und ffnete mit einem tiefen Seufzer den ersten Katalog und begann wie eine Mrchentante vorzulesen. Doch oh weh, dies behagte den weitgereisten Gsten so ganz und gar nicht. Sie baten, die Kataloge selbst zu studieren. Doch die verantwortungsbewusste Bonita wollte dies nicht zulassen. Sie versuchte Knig Marcel und sein Gefolge vor dem Fluch dieser Bcher zu bewahren. Es heit, Rumpelstilzchen habe diese Kataloge vor 7 Jahren verflucht, als ihm Bonita versehendlich eine Reise nach Sibirien verkaufte, obwohl das arme Wesen doch in diesem Winter nach Sizilien zu einem Workshop im Tanz ums Feuer wollte. Bei 40 C im Schatten sprach Rumpelstilzchen den Fluch ber die drei magischen Reisekataloge aus. Jeder der sie zu lange lesen wrde, solle verrckt werden. Bei der Hexe aus dem Pfefferkuchenhaus und der bsen Stiefmutter von Schneewittchen sollen die magischen Seiten der drei verwunschenen Kataloge bereits ihre volle Wirkung gezeigt haben.

Bonita lass mit monotoner Stimme weiter und weiter. Man konnte merken, dass die drei magischen Kataloge bereits ihre Wirkung an Bonita zeigten. Knig Marcel und sein Gefolge schmiedeten Plne, wie sie sich dieser unschnen Situation entziehen knnten. Sie waren schon am verzweifeln, da ergriff die Hofnrrin das Wort und bat erneut um die Kataloge. Bonita gab die verwunschenen Werke zgernd herausgab und sprach: Verbringt nicht allzu viel Zeit mit den Katalogen, sie sind sehr schwer zu lesen, verwirren und knnten, den ganzen Hofstaat crazy machen. Knig Marcel, Knigin Beatrix, der Diener Rolli, die Hofnrrin Jenny, die Grfin Helena und der nun auch eingetroffene Graf Kurt verzagten nicht und sahen sich fr einige Sekunden tief in die Augen, sie wogen das groe Risiko der verrckten Kataloge ab und entschlossen sich, diese groe Gefahr auf sich zu nehmen und empfingen die magischen Bcher von Bonita. Die Abgabe der Kataloge wrde der verwirrten Dame bestimmt gut tun. Die Hofnrrin wagte es auch noch nach weiteren verschiedenen Katalogen zu fragen. Emprt fuhr ihr die sichtlich berforderte Bonita ins Wort: Probierst du etwa in einem Schuhgeschft jedes Paar Schuhe an? Emprt blickten sich Knig Marcel und Gefolge in die Augen und verlieen daraufhin aufrichtig den Saal der crazy Bonita und flchteten in ihr blaues Gefhrt. Sie fuhren auf der Stelle, noch in Gedanken bei Bonita, zum Schloss des Grafen Kurt und seiner Gemahlin Helena zurck.

Am nchten Tag lutete im Hofe Stalder das Telefon. Bonita entschuldigte sich, dass sie nicht vorbereitet gewesen war und auch nochmal ganz besonders bei dem Mdchen mit den Zpfen fr den Spruch mit den Schuhen. Doch nun war es zu spt. Nachdem Knig Marcel und Gespann vergeblich auf die Enthllung der versteckten Kamera gewartet hatten, entschlossen sie sich die Kreuzfahrt bei der Frau mit den krassen Augen in einem anderen Hofe zu buchen.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann tanzen die verschwommenen Punkte noch heute vor Bonitas Fenster.

Und die nicht all zu schne Bonita wird nun nie erfahren, dass sie die Namensgeberin des Wohnmobiles ist, welches nun als Big Bonita mit Knig Marcel, Knigin Beatrix, dem treuen Diener Rolli und der Campernrrin Jenny durch Amerika touren wird.

 

 

Cape Cod mit allen Sinnen

Dort wo Atlantik und Kste sich sanft umarmen
Dort wo weicher Sand unter den Fen kitzelt
Dort wo uns das frische Parfum des Meeres betrt
Dort wo die Wellen beruhigend rauschen
Dort wo der Couscous am besten schmeckt
Da baumeln unsere Seelen sanft im sonnigen Wind

Dort wo alle Blau- und Grntne ineinander verschwimmen
Dort wo wir schwerelos gleiten
Dort wo Wasser die Nase verschliet
Dort wo die Stille auf uns wirkt
Dort wo das Salz im Rachen brennt
Da fhlen wir uns unendlich frei

Dort wo weie Dnen und bunte Hafenstdtchen sich die Hnde reichen
Dort wo warme Briesen den Krper streicheln
Dort wo der Geruch von bunter Liebe in der Luft hngt
Dort wo Livemusik aus allen Ecken erklingt
Dort wo zartes Schwertfischsteak unsere Gaumen zngelt
Da feiern wir das Leben

Dort wo Licht und Schatten Fangen spielen
Dort wo die Fhren uns Khle spenden
Dort wo entspannter Tannenduft uns umgibt
Dort wo Vgel Konzerte geben
Dort wo das Morgenessen ein Hochgenuss ist
Da tanken wir Energie

Dort wo Racepoint und Woodend im ureigenen Rhythmus frhlich blinken
Dort wo viele Mckenstiche entsetzlich jucken
Dort wo wir tiefe Frische einatmen
Dort wo die Beatbox der Grillen ertnt
Dort wo bitterer Amaro das Festmahl beendet
Da schlafen wir himmlisch