Januar 2013

 

Die Verschiffung von Bonita

Was fr ein Theater mussten wir ber uns ergehen lassen, bis wir die Bonita endlich abholen durften in Panama. Das ganze fing schon mit Rich an, dass ist der Dealer ber den wir die Verschiffung gebucht haben.

Alles kein Problem, war sein hufigster Satz (eigentlich wie bei fast allen Amerikanern). Sobald es aber ein Problem gibt, schieben sie es weiter zum nchsten kein Problem-Typ. OK, der 15.11. ist der Stichtag, dann mssen wir die Bonita abgeben in Fort Lauderdale. Tolle Sache, dachten wir, dann knnen wir in dieser Zeit eine Kreuzfahrt machen und die Bonita am 06.12. abholen.

Eigentlich hatte ich von Anfang an ein schlechtes Gefhl bei der Verschiffung von Bonita, aber wenn man A sagt, muss man auch B sagen.

Mein Hauptargument war: Es wre viel zu stressig gewesen ber den Landweg nach Panama runter zu fahren und dann wieder rauf.

Die Kreuzfahrt war toll, sicher nicht meine letzte!

Da wir ja eh nicht in Colon aussteigen durften (berschwemmungen), kam uns das gerade Recht. Puerto Limon war unser Hafen, also stiegen wir da aus und erholten uns in Cahuita, was sehr toll war. Konnten auch ein paar Ausflge machen mit dem Kamikaze-Linienbus, dann nur noch mit dem Taxi (weil ich an meinem Leben hnge).

Am 1 Dezember kam das Mail, dass Bonita mit dem nchsten Frachter ankommen werde. Wir schalteten Kurt ein. Ihm wurde mitgeteilt, dass es Probleme beim Zoll gab und das die der Grund sei. Fr mich war klar, dass die Firma einfach zu wenig Frachtgut hatte und jetzt dem Zoll die Schuld gab.

Machen knnen wir eh nichts, ausser einen schlechten Eindruck. Also blieb uns nichts anders brig, als alles zu akzeptieren. Der nchste Termin war der 25.12. Wieder alles um planen. Reicht das Pflegematerial? Nein, ich habe nur noch bis 24.12. Material. Scheisse, wo bekomme ich das jetzt her? O.k. rufe ich zuhause an, sie sollen mir das Pflegematerial ins Hotel Melia schicken. Das Erste wre erledigt. Was machen wir bis dann? Cahuita kennen wir und wir mssen nach Colon, denn da kommt Bonita an. Also mieteten wir ein Auto in David und machten ganz tolle Ausflge.

Der 24.12. ist da, Anruf am Hafen, wann knnen wir Bonita abholen?

Am 27. knnten wir sie abholen, alles kein Problem. Sie wrden uns Bescheid geben. Wau toll, endlich knnen wir weiter nach unserem Tempo. Ich freue mich so! Der 27.12. ist da, Rene ruft am Hafen an, die Vorfreude ist riesig. Der Kurier ist nicht gekommen. Was soll das? Die Papiere seien in Florida versptet abgeschickt worden und kmen am 31.12. per Kurier in Colon an. Nach einem emotionsgeladenen Telefonat mit der Agentur in Florida, wird erklrt, die Schifffahrtsgesellschaft htte Schuld und wir knnten nichts machen. Es htte um Weihnachten herum Computerprobleme gegeben und das sei hhere Gewalt. Toll, die verarschen uns nach Strich und Faden. Rene ruft noch mal am Hafen in Colon an und macht seinem rger Luft. Die Frau hngt auf.

Da sie aber am 31. nur halbtags arbeiten, knnen wir Bonita erst am 02.01 abholen.

Ich glaube nicht mehr daran, dass ich Bonita je wiedersehen werde und bin total frustriert, was auch aufs Team rber schwappt. Sie haben Bonita verlauert (siehe Wortschatzerweiterung)! Ich kann das nicht einfach wegdrcken wie Beatrix und Rene. Bei mir sieht man das halt sofort, dass was nicht stimmt und ich brauche das auch fr meine Verarbeitung. Ja, dies ist halt die andere Seite meines Ichs. Fr meinen Ausgleich, brauche ich beide Seiten (die in mich eingekehrte Verarbeitungsphase und die ansteckende glckliche).

Um Abwechslung vom Melia Hotel zu bekommen (der Kastratenchor war nicht mehr auszuhalten), entschliessen wir uns zu einem gemtlichen Wochenende in Panamastadt ber Silvester. Was uns aber doch sehr erstaunt, kein Mensch ist auf der Strasse. Komisch, die scheinen erst am 01.01. zu feiern. Schade wir hatten uns auf eine Party gefreut.

Am 02.01. warten auf das erlsende Phone von Carlos! Der Anruf kommt, Wau, wie lange ist es her? 48 Tage! Wir dachten, endlich knnten wir unsere Bonita umarmen. Carlos kam uns in Panama Stadt abholen und wir fuhren in die Freihandelszone, um dort unsere Papiere abzuholen. Um den Papierkram fr den Zugang zu umgehen, mussten wir den Sicherheitsdienst bestechen. Wau, wie im Film! Also ab zur Zollbehrde. Doch der Typ hat frher Feierabend gemacht, kommt morgen wieder. Schockiert und fassungslos kehren wir ins Melia Hotel zurck.

Die Stimmung ist auf einem Tiefpunkt angelangt, vor allem bei mir. Ich mag nicht mehr waren meine Gedanken!

Der nchste Tag kam und wir fuhren wieder Richtung Freihandelszone aber dieses Mal fuhren wir nicht hinein, sondern liessen das Taxi draussen und nahmen den kurzen Weg zu Fuss in Angriff. Die Frau, die uns die Papiere aushndigen sollte, hatte keine Ahnung und hat heute auch das erste Mal einen PC gesehen. Wau, die hatte ja ein Tempo drauf, 1 Anschlag pro Minute, da bin ich ja direkt ein Wirbelwind im Tastatur schreiben. In dieser Zeit konnte ich mich ein bisschen umschauen im Bro. Wau, hatten die ein Puff (siehe Wortschatzerweiterung). Kunststck, haben die unsere Papiere nicht gefunden. Dann fuhren wir zum Hafen, um Bonita abzuholen. Es war so heiss, dass ich fast umkippte. Nach einer Stunde anstehen (obwohl wir die Einzigen waren), kam Bewegung ins Mikado. Ich hab sie gesehen, schrie ich voller Aufregung, denn wirklich rechnete ich nicht mehr damit, dass wir die Strassen von Mittelamerika durchqueren wrden. Wieder Aufregung am Schalter, die Bonita springt nicht an! Carlos kommt zu uns und erklrt, dass wir irgendwo hinfahren mssen und dort einen Mechaniker zu bezahlen. Also liessen wir diese Schikane auch ber uns ergehen und fuhren wieder zurck, um den Mechaniker zu bezahlen. Wieder zum Hafen, dort die Quittung zeigen, dann wieder warten. Keep rolling Bonita, sie kommt angerauscht. Ich kann mich gar nicht freuen, denn ich bin fix und foxi

Das Ganze war zu viel fr mich

Die ganze Angelegenheit hat bei mir Spuren hinterlassen, die sich noch eine Woche hinziehen werden

Jetzt bin ich wieder fr neue Abendteuer bereit, dass nchste erwartete uns ja an der Grenze zu Costa Rica

 

Keep rolling again, Big Bonita

Am 4. Januar 2013 ging es endlich wieder auf groe Fahrt mit unserer, so sehr vermissten, Bonita. Rolli ist mit Carlos, unserem Taxifahrer, losgefahren, um Gas fr Bonita zu organisieren. Beatrix und ich haben weiter Bonitas Bauch geputzt und eingerichtet. Marcel hat sich den ganzen Frust von der Verschiffung und der Wiederergatterung unserer Big Bonita von der Seele geschrieben. Die Beschaffung des Propans hatte sich als rechtes Problem herausgestellt. Rolli und Carlos waren Stunden unterwegs und konnten kein passendes Gas finden. An den Tankstellen war nichts zu bekommen und alle anderen Panameos an Gasstationen machten mal wieder den ganzen Tag Siesta. Wir sahen schon unsere langersehnte Weiterfahrt am heutigen Tag in Gefahr. Fnf Minuten vor Dienstschluss erreichten wir Panagas auf dem halben Weg nach Panama City. Erst wollten sie uns Butangas einfllen, aber die Systeme in Bonita sind fr Propan ausgerichtet. Mir war etwas unwohl mit dem ganzen Gas dort und die Vorsichtsmanahmen schienen nicht sehr gro zu sein. In Panama wird eher Butan verwendet, da es dort so warm ist und Propan einen greren Druck hat und dann schneller explodiert. In klteren Regionen braucht man aber den Druck, weil die Wrme das Gas dort nicht so stark ausdehnen lsst und da Bonita eine Kanadierin ist, ist sie fr Propan ausgerichtet. Ich mchte mir gar nicht die Folgen ausmalen, was htte passieren knnen, wenn uns Panagas Butan eingefllt htte. Mit der Hoffnung, dass Bonita keinen zweiten Gasanschlag auf uns ausben wird, obwohl wir sie so lange alleine gelassen haben, fuhren wir weiter. Auf der Isla Perico vor Panama City, wo wir schon Silvester verbrachten, bernachteten wir das erstemal in Mittelamerika wieder in Bonita wir auf dem Hotelparkplatz des Ocean Views. Wir waren alle froh, unsere Bonita endlich wieder zu haben.
Am nchsten Tag haben wir einen Groeinkauf gemacht und sind weiter nach Playa Blanca gefahren. Auch diesen Platz hatten wir schon vorher ausgekundschaftet. Der Besitzer der wunderschnen Strandbar Pipas, den wir auf Grund seines Aussehens Meister Proper tauften, hie uns auf seinem Grundstck willkommen. Wir parkten Bonita unter Palmen im feinen, weien Sand nur wenige Meter von der Meeresbrandung entfernt. Sogar Waschrume wurden uns zur Verfgung gestellt. Wirklich bemerkenswert finde ich, dass Meister Proper dafr nicht mal Geld haben wollte. Der Pazifik bot uns die passende Abkhlung bei den hohen Temperaturen von mindestens 35C. Wir haben dann in Meister Propers Strandrestaurant lecker zu Abend gegessen und ein grozgiges Trinkgeld bezahlt.
Am nchsten Morgen sind wir frh aufgestanden. Endlich gab es mal wieder Msli mit viel frischem Obst zum Frhstck. Das Messer zum Ananas schneiden mussten wir uns bei Mister Clean, wie er in den USA heit, leihen. Alle unsere Messer sind nmlich bei der Verschiffung von Bonita verschwunden. Die Langfinger haben auch viele von Marcels Sport-T-Shirts, meine Shenandoah-Nationalpark- Sporthose und Beatrix Wanderhose mitgehen lassen. Wir vermuten, dass die Diebe die FC-Basel Trikots fr FC-Barcelona gehalten haben. Vom Fuball-Club-Barcelona sind hier fast alle Fans. Also falls jemand von euch mal durch Panama luft und jemand mit einem FC-Basel-Shirt sieht, der es fr eins von Barcelona hlt, dreht ihn schnell im Kreis, zieht ihm das Oberteil aus, rennt flink weg und sendet es zurck an Marcel. Vielen Dank!
Am nchsten Tag waren wir schon um 9:30 Uhr abfahrtbereit. Mittags haben wir uns ein paar Maismehl Tacos und Empanadas bei einem Imbiss geholt und sind dann den ganzen Tag auf der Interamericana immer Richtung Norden gefahren. Als wir David, die heieste Stadt Panamas, hinter uns gelassen hatten, haben wir bei Concepcion auf einem Restaurantparkplatz bernachtet. Wir sahen einen Wohnwagen in der Garage stehen und dachten uns, dass sie hier bestimmt Erbarmen mit uns haben. Der Chef hat uns gratis dort stehen lassen. Wir sollten nur dem Nachtwchter ein Trinkgeld geben, den wir aber gar nicht gesehen haben. Endlich haben wir mal wieder in Bonita gekocht. Es gab Knoblauchreis, Steak und einen Wendy-Salat (Grner Salat mit Apfel und Nssen und einer Honig-Senf-Soe, diesmal allerding ohne Honig). Der Salat heit bei uns so, weil wir die Idee von der Fast-Food-Kette Wendy in den Staaten geklaut haben. Mensch, wie habe ich das Kochen vermisst! Nur auf das Abwaschen htte ich verzichten knnen. Abends haben wir in dem Restaurant noch was getrunken und waren mal wieder im Internet.
Am nchsten Morgen gingen wir unserer nicht ganz so billigen Lieblingsbeschftigung nach, die TD Bank anzurufen. Mal wieder konnten wir kein Bargeld abheben. Erst zwei Wochen zuvor hatte ich mit Marcel dort angerufen und uns wurde gesagt, dass sie nicht gewusst htten, dass wir in Panama seien und deshalb vermutet wurde, dass die Visa-Karte geklaut worden sei. Jetzt ist es schon so weit gekommen, dass man bei seiner Bank seinen Urlaub einreichen muss. Unglaublich. Was wollen die als nchstes wissen? Die BH-Gre oder etwa den IQ?
Am nchsten Tag fuhren wir die letzten, wenigen Kilometer bis zur Grenze. Auf der panamesischen Seite lief alles bingo-bongo (siehe Wortschatzerweiterung) super schnell. Marcel musste nicht mal aussteigen. Ein Beamter kam zur Passkontrolle direkt in Bonitas Bauch. Dann konnten wir einfach durchfahren und waren schon um etwa 11 Uhr in Costa Rica. Wir htten einfach weiter fahren knnen, uns htte niemand aufgehalten, aber wir brauchten noch die Stempel in unserm Pass und eine Versicherung fr Bonita. Die Stempel waren auch kein Problem, wieder kam fr Marcels Passkontrolle eine freundliche Beamtin mit in Bonita. Sie war total begeistert von unserem riesigen Gefhrt. Aber fr die Versicherung und den Zoll, um Bonita nach Costa Rica einzufhren, fehlten uns Dokumente. Da das Wohnmobil auf Kurt angemeldet ist, wollten sie seine Ausweiskopie und eine vom Anwalt beglaubigte Besttigung, dass Kurt uns mit seinem Fahrzeug fahren lsst. Wir riefen sofort Kurt an. Der Arme war gerade auf der Arbeit und ist extra nochmal nach Hause gefahren, um seinen Reisepass zu holen. Die Beamten hatten es uns wirklich nicht leicht gemacht. Warum bestanden sie blo so stur (in diesem Fall ist die Hochdeutsche Entsprechung gemeint siehe Wortschatzerweiterung) auf dieser Beglaubigung. Kurt wollte uns die bentigten Dokumente faxen, aber die Nummer der Zollbehrde funktionierte nicht. Was fr ein Sch.! Ich zerfloss fast in der heien Bonita, als ich sie htete, whrend ich an der Reiseplanung weiterarbeite und fleiig Reiseberichte schrieb. Der Rest meiner Familie auf Zeit war mittlerweile zum Chef der Zollbehrde gegangen, nachdem Rolli den sturen Beamten darauf hingewiesen hatte, dass es ein Gesetz gibt, nach dem Menschen mit Handicap bevorzugt behandelt werden sollen. Von diesem Gesetz hatte uns Martha erzhlt, da sie auch beim Zoll arbeitet. Der Chef war sehr nett und hat von der Beglaubigung abgesehen. Nun bekamen die Drei eine neue Beamtin zugeordnet, die erstmal wieder von vorne begonnen hat. Der Sieger im Beamtenmikado (nach der Regel: Wer sich zuerst bewegt, hat verloren) hatte bereits Feierabend gemacht. Nach ber sieben Stunden war es dann endlich so weit, wir verlieen schweidurchnsst mit allen ntigen Stempeln und Versicherungen die Grenze Richtung reiche Kste. Da es schon dmmerte, mieteten wir eine Zweipersonen-Cabina im grenznahen Stdtchen Paso Canoas und durften dafr mit Bonita auf dem Grundstck stehen. Am Abend rumten wir unsere ganzen Papiere auf, die wir ziemlich verlauern (siehe Wortschatzerweiterung) haben lassen. Zu unserem groen Schreck stellten wir fest, dass der originale Kaufvertrag von Bonita fehlte. Ren fragte Marcel: Mchtest du ein Bier? Er lehnte ab. Als Beatrix nach einer ganzen Weile das Dokument endlich in den Hnden hielt, war die Erleichterung gro. Jetzt nehme ich ein Bier!, rief Marcel freudig. Wir gingen noch etwas Essen und fielen danach wie Steine ins Bett.
Bei unser Weiterfahrt Richtung Norden fielen uns sofort einige Unterschiede zwischen Panama und Costa Rica auf. In Costa Rica wird viel mehr Wert auf Sauberkeit der Umwelt geachtet. Es liegt kaum Mll herum und der Abfall wartet erhht oder verschlossen auf seinen Abtransport, damit Tiere, wie zum Beispiel Waschbren nicht die Beutel zerrupfen und alles verteilen. Auerdem wird hier sehr auf Mlltrennung geachtet. Aber dafr ist in Costa Rica fast alles viel teurer und touristischer, was Vor- und Nachteile mit sich bringt. Die Straen sind etwa gleich, obwohl uns schon fter gesagt wurde, dass Costa Rica die besseren Straen htte. Die vielen Schlaglcher lassen uns mit der groen Bonita nur langsam ber die Straen holpern. Aber besser sicher als schnell. Man knnte Bonita mit einer Riesenschnecke vergleichen. Sie schleicht zwar langsam ber die Straen, aber dafr haben wir unser Zuhause immer dabei und es lsst sich herrlich in ihr leben.
Als wir im, mit wunderschnen Bilderbuchstrnden gesumten, Manuel Antonio Nationalpark ankamen, konnte unser zweites Costa Rica Abenteuer endlich so richtig beginnen. Diesmal aber zum Glck mit fahrbarem Untersatz mit Schneckenhaus.