Oktober 2012

 

Cherokee

Osiyo sprach ich etwas schchtern eine Cherokee-Indianerin an, die vor dem Oconaluftee Indian Village in Cherokee in North Carolina stand. Sie war sehr erfreut, dass ich sie auf Tsalagi (wie sie selbst auch ihren Stamm bezeichnen) begrte. Rolli kaufte die Eintrittskarten fr das Museumsdorf erstand, welches die Lebensweisen der Cherokee-Indianer um etwa 1760 veranschaulicht. Whrenddessen sprach ich mit Adsila (ihr Name bedeute brigens Blte). Sie erklrte mir, dass die Cherokee in dieser Region viele Wrter eher mit s aussprechen, im Westen verwende man eher sch. Zum Beispiel in Alabama wrde die Begrung nicht Osiyo sondern Oschyo heien. Besonders beeindruckte mich, dass die Cherokee kein Wort fr Verabschiedungen haben. Sie mssen sich nicht verabschieden, weil sie fest an ein Wiedersehen glauben. Im Dorf wurden uns verschiedene Tnze gezeigt. Darunter waren der Bren- und Adlertanz, aber auch der Korntanz war sehr interessant. Die Cherokee waren eher ein sesshaftes Volk. Sie zogen nicht mit Zelten, Wigwams oder Tipis umher, um zu jagen, sondern lieen sich fest nieder und bauten Getreide an. In ihren Tnzen, die viel Lebensfreude ausstrahlten, bedanken sie sich beim Schpfer unter anderem fr die Kornernte. Nach der Tanzdarbietung fhrte uns Adsila durch einen Teil des Dorfes und erklrte uns die verschiedenen Handwerksknste. Wir kamen auch zu einem Schnitzstand, wo Masken, Pfeile und Musikinstrumente gefertigt wurden. Ein Indianer bat mich, neben ihm fr ein Foto Platz zu nehmen. Ich setze mich auf die Holzbank und mir wurde mit einem elektrischen Heizlfter, der ganz bestimmt nicht aus dem 18ten Jahrhundert stammte, warm ins Gesicht geblasen. Uns wurde gezeigt, wie Indigene damals mit Blasrohren jagten und wie ihre Bren- und Fischfallen aussahen. Auch die verschiedenen Huser konnten wir betreten und uns am Feuer wrmen. Bevor wir das Indianerdorf verlieen, lauschten wir noch einem Geschichtenerzhler am Hauptplatz. Eine besonders schne Geschichte mchte ich gerne an dieser Stelle wiedergeben. Ich gebe sie so wieder, wie sie mir von einem Tsalagi an jenem Tag erzhlt wurde:

Die Decke
Vor einiger Zeit, gab es einmal einen Jungen, der erst seinen Vater durch den Brgerkrieg und nur ein Jahr spter auch seine Mutter durch eine schwere Krankheit verloren hatte. Der Achtjhrige war nun ganz alleine und ging zu den ltesten seines Stammes. Sie waren sehr weise und brachten dem Indianerjungen so aller Hand bei. Sie zeigten ihm, wofr man welche Kruter verwenden kann, wie man jagt, wie mal Korn st und vieles mehr. Er wurde immer grer und schlielich wuchs er zu einem stattlichem jungen Mann heran. Er beschloss, die Weisen, denen er sehr dankbar fr ihre ganzen Gaben war, zu verlassen und sich in den Bergen ein Haus zu bauen. Nachdem er ein groes Haus fertiggestellt hatte, ging er ins nchste Dorf, um sich dort eine schne Frau zu suchen und kehrte wenig spter mit ihr in sein Haus zurck. Sie liebten sich sehr und waren glcklich miteinander. So kam es, dass sie schwanger wurde. Die Freude war riesengro, doch als die Frau seinen Sohn gebar, verstarb sie. Der junge Mann war sehr, sehr traurig. Erst wurden ihm seine Eltern genommen und nun auch noch seine geliebte Frau. Aber er hatte noch seinen Sohn. Er brachte ihm bei wie man geht und wie man spricht und zeigte ihm wofr man welche Kruter verwenden kann, wie man jagt, wie man Korn st und vieles mehr. Er liebte seinen Sohn sehr, er war alles, was ihm noch blieb. Der Sohn wuchs und wuchs bis auch er schlielich zu einem Mann heranwuchs. Er beschloss ins nchste Dorf zu ziehen, um sich dort eine schne Frau zu suchen. Da sein Vater ein so groes Haus hatte, kehrte er mit seiner Frau in das Haus seines Vaters zurck. Die drei verstanden sich sehr gut und ergnzen sich hervorragend. Der Sohn jagte, der Vater zog das Getreide gro und die Frau kochte. Nach einiger Zeit gebar die Frau ein Kind. Der Grovater zeigte seinem Enkel, wie man geht, wie man spricht und wofr man welche Kruter verwenden kann, wie man jagt, wie man Korn st und vieles mehr. Doch der Grovater wurde immer lter und gebrechlicher und konnte nicht mehr so viel arbeiten. Eines Tages sagte die Frau zu ihrem Mann: Ich mchte, dass dein Vater geht! Der Sohn erwiderte schockiert: Das knnen wir nicht machen, es ist sein Haus und ich liebe meinen Vater!. Seine Frau jedoch blieb hart und sagte: Entweder geht er oder ich gehe und nehme deinen Sohn mit und du wirst ihn nie wieder sehen! Der junge Mann wurde sehr nachdenklich. Er liebte seinen Vater, aber er liebte auch seinen Sohn. Seinem Vater gehrte seine Vergangenheit und seinem Sohn sollte seine Zukunft gehren. Nachdem er einige Tage nachgedacht hatte, ging er zu seiner Frau und sprach: Wenn du es so willst, so soll mein Vater gehen, aber ich kann es ihm nicht sagen. Du musst das bernehmen!. Doch die Frau konnte es auch nicht. So rief sie ihren Sohn herbei, der inzwischen acht Jahre alt war und sagte zum ihm: Nimm diese Decke und gehe mit Grovater so weit du nur kannst nach Sden, dann gibst du ihm die Decke und kommst zurck!. Der Sohn erwiderte: Aber ich liebe doch Grovater !. Sei ruhig und tue was ich dir aufgetragen habe!, ermahnte ihn seine Mutter. Also warf sich der hilflose Junge die Decke ber die Schulter und nahm seinen Grovater bei der Hand und ging mit ihm nach Sden, so wie es ihm seine Mutter aufgetragen hatte. Nach drei Tagen erblickte die Mutter ihren Sohn am Horizont. Aber was trug er denn dort ber seiner Schulter? Als er nher kam erkannte sie, dass es die Decke war. Sie sprach: Aber Sohn, wie kannst du nur so egoistisch sein und deinem Grovater nicht einmal die Decke berlassen, sondern sie fr dich behalten?. Das stimmt nicht., erwiderte der Junge. Ich habe die Decke geteilt und die Hlfte Grovater gegeben. Wofr die andere Hlfte wre, wollte seine Mutter wissen. Die wirst du eines Tages bekommen., war die Antwort des jungen Indianas. Auf der Stelle machte sich die Mutter auf den Weg, um Grovater zurck in sein Haus zu holen.

Spter nach dem Abendessen beim Abwaschen hrten wir Cherokeemusik und versuchten, dazu zu tanzen. Bonita bebte durch unser Stampfen dazu im Tackt. Statt Kriegsbeil hatten wir die Abwaschbrste und Salatbesteck in der Hand. So macht sogar Abwaschen Spa!